Die Realiensammlung des Max Freiherrn von Oppenheim


Dokumentation
der Dauerleihgabe der
Sammlung Max Freiherr von Oppenheim

im Rautenstrauch-Joest-Museum der Stadt Köln

bearbeitet von Dr. phil. Andus Barton Emge - Köln, 1996 -(Der komplett ausgedruckte Inventarkatalog der Sammlung Oppenheim steht im RJM während der regulären Bibliotheksöffnungszeiten zur Einsichtnahme bereit)



I N V E N T A R K A T A L O G  -  Realiensammlung -
Inhaltsverzeichnis der Bände I - III:

Vorwort

1.   Einleitung

1.1 Der Baron Max von Oppenheim (hier ein Link zu gesondertem Artikel)

1.2 Die Realiensammlung im Rautenstrauch-Joest-Museum

1.3 Zum Zustand der Objekte

2.   Vorbemerkungen zur Datenbank und Numerierung

2.1 Problem der Numerierung; Schlüssel

2.2 Die Datenbank zur Sammlung Oppenheim

2.3 Einbindung eingescannter Objektphotos in die Datenbank

2.4 Thesaurus und Sortierfunktionen

3.  Bestandskatalog der Sammlung Oppenheim im RJM:


(alphabetische und objektgruppenbezogene Sortierreihenfolge keine Seitennumerierung; dafür rote, bzw. blaue Trennblätter)


Band I. DIVERSE MATERIALGRUPPEN

Metall
(alphabetisch sortiert nach Objektarten)

Waffen (alphabetisch sortiert in Untergruppen: Stich & Hiebwaffen; Pfeile & Bögen; Keulen; Handfeuerwaffen; Rüstungsteile; Schilde; Waffen- und Reitzubehörzubehör)

Glas (alphabetisch sortiert nach Objektarten)

Holz (alphabetisch sortiert in Untergruppen: Truhen und Kästen; Taburetts und Hocker; Druckstöcke; Schlösser; alte Holzstücke,

Diverses (alphabetisch sortiert nach Objektarten)

Schmuck (alphabetisch sortiert nach Objektarten);

Kopf- und Haarschmuck (Diadem; Kopfbedeckungen; Zubehör)

Gürtel und Gürtelschnallen

Spielfiguren Karagöz-Figuren; Schachfiguren

Fächer & Wedel Flechtwerk und Haarwedel

Diverses Rückenkratzer; Zierschalen;
/


Band II. KERAMIK

Baudekor: Fliesen und Schrifttafeln

Vorderer Orient (alphabetisch sortiert nach Objektarten: Filter; Flaschen; Teller; Schalen; Vasen etc.)

Türkische Keramik: Iznik; Kütahya; Hängezierate; Canakkale-Keramik; Eseri- Istanbul; Pfeifen

Mittelmeer Keramik: Maghrebinische Keramik; Spanische Lüsterkeramik; Majolika

Europäische Keramik: Alt-Wien und Meissen; Diverse Europa: Delft, Frankreich, England etc.

Ostasiatische Keramik der Ming Dynastie: (alphabetisch sortiert nach Objektarten);

Keramik Keramik der Qing Dynastie: (alphabetisch sortiert nach Objektarten); Exportkeramik mit islamischer Inschrift

Scherben und Bruchstücke



Band III. SORTIERTE THEMENGRUPPEN

Musikinstrumente: Flöten; Saiteninstrumente; Trommeln

Rauchgeräte: Mundstücke; Pfeifen; Wasserpfeifen und Zubehör

Duftkultur: Rosenwassersprenkler; Parfumflacons; Räucherbecken

Kultgegenstände: Amulette; Beschneidungsutensilien; Derwischinstrumente; Amulette Korankasten; Zauberschalen; Rosenkränze

Licht: Ampeln; Laternen; Leuchter; Lichtputzscheren

Kaffee: Kaffeekännchen; Kaffeemühlen und Röstlöffel; Kaffeekoppchen

Messinstrumente: Astrolabien; Kompasse; Quadranten; Uhren; Waagen

Schlösser: Fallbolzenschlösser; Bügelschlösser; Koppeln

Textilien: Basisdaten der Textilsammlung Oppenheim (ohne Bilder)


Anhang:

Lebenslauf des Barons Max von Oppenheim

Objekte der Sammlung Oppenheim im Orientalischen Seminar

Objekte der Sammlung Oppenheim im Archäologischen Institut

Dokumente im Archiv des Bankhauses Oppenheim


V O R W O R T

Soviel war mir klar: Aufgabe war es, eine Dokumentation der im Rautenstrauch-Joest-Museum befindlichen Sammlung des Barons Max von Oppenheim anzufertigen. Wie ich das anging, das blieb mir überlassen.

Anfangs fühlte ich mich ein wenig hilflos bei der Inspektion dieser auf den ersten Blick etwas skurril anmutenden Realiensammlung des Max Freiherrn von Oppenheim, kam ich doch von meiner Ausbildung her eher von der gegenwartsbezogenen Ethnologie, zwar mit dem Regionalschwerpunkt Türkei, aber doch mit eher rudimentären Kenntnissen von der islamischen Kunstgeschichte. Dennoch faszinierte mich diese Sammlung von Anfang an, denn sie stellte zum einen nicht nur ein Spiegelbild der großbürgerlichen Sammlertätigkeit der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrtausend dar, sondern führte mir darüber hinaus auch erstmalig in meinem Leben eine solch große Anzahl von mitunter bedeutenden Objekten unmittelbar und anfaßbar vor Augen. Mein Interesse an der Sammlung Oppenheim war geweckt, und dank der ergänzenden Literaturstudien wurde sie für mich von Tag zu Tag wertvoller. Allmählich begann ich wirklich die Leidenschaft zu verstehen, mit der sich der Baron Oppenheim seiner Sammlertätigkeit hingegeben hatte. Ich entwickelte mit der Zeit einen gewissen Sinn für diese Objekte und ahnte dahinter eine Welt, deren Geheimnisse mir zwar bis heute zumeist verborgen blieben, doch die in vielfältiger Weise mit Semiotik und Kulturgeschichte beladen war. So ist z.B. eine Zauberschale der Sammlung Oppenheim eben nicht nur eine mit Rechteckmustern gravierte Messingschale, sondern dahinter verbirgt sich ein eigenes geheimes Wissen, welches heute meist kaum noch zu lüften ist. Magische Zahlenquadrate, dubiose Zeichen und und arabische Schrift weisen auf ehemalige Bedeutungszusammenhänge hin, die nun einmal bei noch so willigen Interpretationsversuchen nicht in einem Museum inventarisiert oder gelagert werden können. Viele Stücke der Sammlung Oppenheim sind heute Zeugnisse einer Hochkultur, deren kunsthandwerkliche Fähigkeiten unnachahmbar vergessen sind.

Nun galt es aber erst einmal, Ordnung in die doch ziemlich chaotisch vorgefundene Sammlung zu bringen. Neben einer räumlichen Neuordnung stand die Erfassung der Sammlung mittels einer digitalen Datenbank im Vordergrund der Bearbeitung . Das System der konsequenten digitalen Archivierung wurde ja bereits für die Bearbeitung der Nordamerika-Sammlung im RJM erfolgreich eingesetzt, doch mich reizte es, dieses bisher bildlose und damit recht trockene Datenbanksystem um die weiterführende Möglichkeit der digitalen Bildbearbeitung, mit der ich auch privat experimentierte, zu erweitern. Mein Ziel war es somit auch, die bisherigen Nachteile der bildlosen Datenbanken im Vergleich zu den mit Objektphotos oder Zeichnungen versehenen Karteikarten der klassichen Art wett zu machen. Der Vorteil lag auf der Hand, denn sollte mein Plan gelingen, so sind (jederzeit auch kostengünstig kopierbar) auch im Computer sofort alle nach spezifischen Kriterien sortierten Objektbeschreibungen inklusive der digitalisierten Objektphotos abrufbar. Diese Form der Bearbeitung erweist ihren Vorteil nicht nur in dem hier vorgeführten Beispiel der Sammlung Oppenheim, sondern könnte auch für künftige Dokumentationen des Museums wegweisend sein, ermöglicht diese Methode doch zweifellos die schnellste und damit auch kostengünstigste Recherche nach bestimmten Objekten.

Meinen, für das Museum recht innovativen Plan in die Tat umzusetzen, glich jedoch anfangs eher einer Experimentabfolge in einem Versuchslabor, wo auch erst einmal das meiste schiefgeht, bevor man zum erhofften Ergebnis kommt. Einmal war es zweifellos mein eigenes "menschliches Versagen" hinsichtlich konsequenter Datensicherung, ein andermal waren es folgenschwere "Hardware"- Probleme, bedingt durch elektrostatische Aufladung am Arbeitsplatz, die mir das Leben oder vielmehr die Bearbeitung der Sammlung schwer machten.

Die Bearbeitung einer solch umfangreichen Sammlung wäre in dieser Art nicht möglich gewesen ohne die Hilfe vieler Kolleginnen und Kollegen sowie Hausangestellten. Insbersondere möchte ich den Herren Dr. Ulrich Wiesner, Christoph Rust, sowie den Damen Brigitte Majlis, Gabriele Sill-Schmitt, Beate Wolter, Birgit Brand, Gertrud Borsch, Katja Mees und dem stets hilfsbereiten Herrn Beyene Tekleyes danken. Besonders danken möchte ich aber auch den von mir betreuten Studentinnen Gül Berken, Simone Gründig, Petra Kassler, Martina Kessel und Katja Lenz aus dem Institut für Völkerkunde der Universität Köln, die mir während meiner dreijährigen Zeit im Museum tatkräftig im Rahmen ihrer Praktika zur Seite standen. Aber auch auswärtigen Kollegen, wie Frau Dr. Almuth von Gladiss aus dem Berliner Museum für islamische Kunst, Frau Dr. Elke Niewöhner aus dem Kestner-Museum Hannover sowie Herrn Prof. Dr. Sarma, Herrn Leo Figuel aus den USA und vielen anderen bin für ihre Hilfe bei der Beurteilung der Sammlung dankbar. Einen besonderen Dank gebührt auch dem Stifterverband der Deutschen Wissenschaften, der mir während meiner Zeit der Bearbeitung der Sammlung Oppenheim einen wesentlichen Teil der Finanzierung gewährleistete.

Letztendlich möchte ich der Direktorin dieses Museums, Frau Prof. Dr. Gisela Völger einen besonderen Dank aussprechen, die mir diese so komplexe Sammlung Oppenheim als eine der Mustersammlungen des Museums zur freien Bearbeitung in eigener Verantwortung anvertraute. Wenngleich mein wissenschaftlicher Kenntnisstand und die klimatischen Bedingungen im Magazin bei weitem nicht immer ideal waren, so freue ich mich doch, diese Arbeit im Kreise vieler so netter Kolleginnen und Kollegen gemacht haben zu dürfen.

Andus Emge, im Mai 1996


Einleitung:

Zur Person und Sammlung des Barons Max von Oppenheim

In der jüngeren Zeit finden sich kaum noch weitgehend unbearbeitete Sammlungen von größerem Umfang aus Privatbesitz, die sich außerdem mit ihrem Sammlungsschwerpunkt auf den Vorderen Orient konzentrieren. So ist es für das Rautenstrauch-Joest-Museum ein Glücksfall, daß Anfang der neunziger Jahre die Realien der Max Freiherr von Oppenheim - Stiftung als Dauerleihgabe für die Orientalische Sammlung des Museums gewonnen werden konnten.

Zwar wußte die Fachwelt schon immer um die Sammlung des Barons Max von Oppenheim, aber widrige Umstände in Folge des II. Weltkrieges, sowie eine daraus resultierende ungeeignete Unterbringung der Sammlung ließen diese nie in ihrer Gänze erschließen. Nur in Einzelfällen konnten die Objekte bearbeitet, für Ausstellungen ausgeliehen, oder auch publiziert werden.

Nach Überführung der Sammlung Oppenheim als Dauerleihgabe der Max Freiherr von Oppenheim - Stiftung ins Rautenstrauch-Joest-Museum Anfang der neunziger Jahre sind nun fast alle Objekte unter verhältnismäßig optimalen Bedingungen untergebracht und über eine Datenbank erschließbar. Hier finden sich, wie auch in dem ausgedruckten und nach Themen- und Objektgruppen sortierten Katalog die wissenschaftlichen Bestimmungen und die Beschreibungen der Stücke, sowie technische Angaben und weiterführende Literatur oder auch eventuelle Hinweise zu Vergleichsstücken.

Wegen der Komplexität der Sammlung und aufgrund der begrenzten Bearbeitungszeit ist es nicht immer möglich gewesen, jedes einzelne Objekt eindeutig zu bestimmen. Gerade die Geschichte des Vorderen Orients zeichnet sich durch eine Vielzahl von sich zeitlich und räumlich unterscheidender Kulturen aus, wobei auch die Fluktuation der Kunsthandwerker in diesen Regionen ganz außerordentlich war.

1.1 Der Baron Max von Oppenheim

Der Orientforscher Max Freiherr von Oppenheim (15.07.1860 - 15.11.1946) lebte gegen Ende des letzten und zu Beginn dieses Jahrhunderts viele Jahre als preußischer Diplomat in Kairo und Istanbul, wo er aktiv an der internationalen Politik teilnahm und Forschungen zur Geschichte der arabischen Völker durchführte.

Er erfüllte sich damit einen Kindheitswunsch, den er seit der Schulzeit hegte: Er selbst bezeichnete es in seinen umfangreichen Erinnerungen als: " geradezu ausschlaggebend für mein Leben..., daß ich die Tausend und eine Nacht in der großen vierbändigen illustrierten Ausgabe von Weil, die ich schon in der Sekunda Weihnachten zum Geschenk erhielt, mit Begeisterung las und studierte. Hierdurch wurde in mir der Gedanke, Forschungsreisender, und zwar im islamischen Orient zu werden, immer mehr bestärkt, ein Gedanke, der mich nie verließ..." Aber zunächst erhielt Max von Oppenheim entsprechend dem Wunsche seines Vaters eine seriöse Ausbildung und wenn er schon nicht der Familientradition des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. folgte, so immatrikulierte er sich doch erst einmal im Fache Jura. Nach seinem Referendariat in Köln wechselte Max von Oppenheim an das Regierungspräsidium in Wiesbaden. Von dort aus begleitete er im Winter 1883/84 seinen Onkel auf eine Reise in die osmanische Türkei, wo er nun erstmals den Orient kennen lernte, der ihn sofort ganz in seinen Bann schlug.

Nach seiner Rückkehr richtete sich Max von Oppenheim in seiner Wiesbadener Wohnung ein türkisches Zimmer ein. Im Jahre 1892 unternahm der Baron zusammen mit dem Mitbegründer des Rautenstrauch-Joest-Museums, dem Ethnographen Wilhelm Joest eine Forschungsreise von Marokko aus quer durch Nordafrika nach Kairo, wo er sieben Monate in einem traditionellen Haus in einem tief arabischen Viertel wohnte. "Hier lebte ich wie die einheimischen Mohammedaner, um mich in der arabischen Sprache weiterzubilden und den Geist des Islams sowie Sitten und Gebräuche der Eingeborenen zu studieren". Als Kenner der orientalischen Bräuche fiel ihm das opulente Leben arabischer Prägung nicht weiter schwer: Der Junggeselle verfügte über eine "vortreffliche schwarze Köchin, die natürlich nur die Eingeborenen-Gerichte kannte", ein fünfzehnjähriges, bildhübsches arabisches Mädchen mit einem abbessinischem Einschlag als "Zeitfrau", sowie über eine spezielle "Bettdienerin". Dieses Ambiente gestaltete ihm das Leben so interessant, daß Oppenheim, wie er schreibt, "während der halbjährigen Zeit, in der ich in dem Hause zubrachte, im ganzen, wenn ich mich recht erinnere, etwa fünf Mal in das europäische Viertel gegangen bin". 1896 tritt Oppenheim, der zu den Dutzfreunden Kaiser Wilhelms II. zählte, in den diplomatischen Dienst ein und wird dem kaiserlichen Generalkonsulat in Ägypten zugeteilt, eine Tätigkeit, die er bis 1909 ausübte.

Damit begann sein eigentliches "Doppelleben" als "Araber" und als Mitglied der privilegierten diplomatischen Kreise. In seinen unpublizierten Memoiren schreibt er: "Ich setzte es durch, mit dem Sitz in Kairo den Auftrag zu erhalten, die ganze islamische Welt zu beobachten und hinterher an das Amt zu berichten. Dann begann, während 13 Jahren, wohl die Glanzzeit meines Lebens..." Die exotische Intimität seines Privatlebens konnte Max von Oppenheim während seiner Zeit in Kairo "absolut verborgen halten" und der "Harem" seines Hauses blieb seinen europäischen Gästen ebenso unbekannt wie die sagenumwobenen Frauengemächer der osmanischen Sultane.

Auf diversen mehr oder weniger ausgedehnten Forschungsreisen suchte Oppenheim Kontakt zu lokalen Stammesführern, um sich über die politischen und sozialen Verhältnisse zu informieren. Besonderes Interesse galt bei seinen Forschungen daher auch den Beduinenstämmen. In ausführlicher Form dokumentiert Oppenheim, der die Stammessprachen fließend spricht, gesellschaftliche Struktur und genealogische Zusammenhänge, die von ihm genauso in teils mehrbändigen Werken publiziert wurden, wie weitere Veröffentlichungen über Reiseeindrücke, soziopolitische Verhältnisse im Orient, sowie Teile seiner archäologischen Forschung.

Oppenheim war schon immer fasziniert von der Archäologie, welcher er vor allem nach 1899 durch einen schicksalhaften Zufall größere Beachtung schenkte. Während einer Erkundungsreise im Rahmen der Streckenplanung der Bagdad-Bahn entdeckt er nämlich den hethitischen Siedlungshügel Tell Halaf in Syrien, wo die älteste bekannte prähistorische Buntkeramik aus dem fünften und vierten Jahrtausend v. Chr. zu Tage kam. Besonders beindruckende Funde sind auch die Stelen und Steinfiguren, (die leider später im Krieg verbrannten). Max von Oppenheim sieht sich nun zunehmend als Archäologe und finanzierte, nachdem er vorläufig aus dem diplomatischen Dienst austritt aus eigenen Mitteln eine Grabung, die er 1913 nach zweieinhalbjähriger Dauer erst einmal abschloß. Erst nach den Wirren des Ersten Weltkriegs, starken persönlichen Finanzeinbußen in Folge der Währungsreform und dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches konnten ab 1927 weitere Grabungskampagnen weitergeführt werden . Dort wird Oppenheim auch einmal von Aghata Christie besucht, die mit ihrem zweiten Mann, dem Archäologen Max Mallowan zu jener Zeit den Orient bereiste und u.a. folgendes in ihren "Erinnerungen an glückliche Tage" beschreibt: "Oft sprechen wir mit den Einheimischen auf den vielen Hügeln, die wir noch vor Tell Halaf aufsuchen. Hier gibt es überall Legenden um El Baron, meist handeln sie von dem Gold, das er mit vollen Händen ausschüttete. Mit der Zeit ist es zu Unsummen angewachsen. Nicht einmal der deutschen Regierung trauen wir diesen Goldsegen zu, von dem die Überlieferung berichtet." Die meisten auch dieser durch die Tell Halaf Grabungen gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse legte Oppenheim in der Folgezeit als heute noch immer hoch geschätzte Publikationen vor.

1.2 Die Realiensammlung im Rautenstrauch-Joest-Museum

Der Baron Max von Oppenheim widmete sich Zeit seines Lebens darüber hinaus auch einer intensiven Sammlertätigkeit islamischen Kunsthandwerks. Dabei trug er exemplarisch jene Stücke aus dem Vorderen Orient zusammen, die zu jener Zeit im Kunsthandel erhältlich waren. Das Interesse für das Sammeln von Kunstobjekten wurde sicher ganz wesentlich durch seinen Vater Albert von Oppenheim (1834-1912) geweckt, der seinerzeit bereits ein begeisterter und auch bekannter Kunstsammler war.

Systematisch suchte er, wie weiter unten beschrieben, nach Stücken, die stellvertretend für bestimmte Gattungen und Epochen standen. Auch wurde seine Sammlung durch Geschenke lokaler Scheichs und anderer Würdenträger, die Oppenheim oft konsultierte, ergänzt.

Max von Oppenheim konzentrierte sich neben dem Sammeln von islamischem Kunsthandwerk aus den verschiedensten Regionen und Zeitepochen auch auf "Exportartikel", also Gegenstände, die nicht im Orient, sondern im hiesigem Fall vor allem in Europa (Meißen/Böhmen), aber auch in China und Fernost für den Geschmack des Vorderen Orients hergestellt, und speziell in diese Gebiete exportiert wurden. Diese Objekte bilden heute einen nicht unbedeutenden Teil der Sammlung.

Nach seinen Aufenthalten im Nahen Osten wurden die Stücke nach Berlin transportiert, wo sie von einem qualifizierten Mitarbeiterstab Max von Oppenheims im Rahmen der von ihm gegründeten "Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung" erstmalig inventarisiert und in einfachster Form beschrieben wurden. Wenngleich diese Objekte nicht, wie die Ausgrabungen aus der hethitischen Residenz am Siedlungshügel Tell Halaf, in einem eigens gegründeten Museum ausgestellt und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, so dekorierten sie doch, wie die historischen Photographien (die sich noch heute im Archiv des Bankhauses Oppenheim befinden) zeigen, zum Großteil die Räume der "Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung" am Kurfürstendamm in Berlin, wo Max von Oppenheim auch sein Domizil hatte. Während der großen Bombenangriffe zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Räume der Stiftung, wie auch das gerade neu gegründete Tell Halaf Museum getroffen, wobei vieles, vor allem die archäologischen Bestände, aber auch die wertvollsten Stücke aus islamischer Zeit, zerstört oder später geplündert wurden. Nur dem engagierten Einsatz befreundeter Mitarbeiter der Stiftung (vor allem der Ehepaare Caskel, Erdmann u.a.) verdanken wir die Rettung der übrig gebliebenen Sammlungsstücke aus islamischer Zeit, die nun auf dem Umweg über das Orientalische Seminar der Universität Köln heute im Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde wieder eine geeignete Unterbringung erfahren.

Die Sammlung Oppenheim, die heute als Dauerleihgabe dem Rautenstrauch-Joest-Museum zur Verfügung gestellt wurde, besteht inklusive der Textiliensammlung aus ca. 1500 Objekten, die zumeist im Vorderen Orient von Max von Oppenheim Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts persönlich gesammelt wurden. Diese relativ frühe geschlossene Sammlung von Ethnograhica spiegelt somit auch einen Querschnitt des kunsthandwerklichen Angebotes auf den orientalischen Märkten der Jahrhundertwende und im Kunsthandel wider. Sie umfaßt im wesentlichen qualitativ hochwertige Metallarbeiten unterschiedlichster Art und Epochen, wie z. B. mamlukische Teller und Gefäße aus dem 14. und 15. Jahrhundert, silbertauschierte seldschukische und persische Leuchter, die teilweise aus dem anatolischen Konya zu Zeiten des Begründers des Ordens der tanzenden Derwische, Djalal al-Din Rumi aus dem 13. Jahrhundert stammen. In der Sammlung Oppenheim findet sich daneben auch osmanisches Silber mit türkisch-barocker Ornamentierung aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie eine Anzahl vergoldeter Kupfergefäße (Tombak), welche teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen. Als typische Merkmale der Sammelleidenschaft jener Zeit finden sich auch in der Sammlung Oppenheim diverse Schutz- und Trutzwaffen, die teilweise von höchster Güte sind. So gibt es neben alten türkisch/persischen Reflexbögen eine Anzahl hochwertiger Klingen und Gewehrläufe aus edelstem Damaszenerstahl, aber auch sorgfältig mit Gold tauschierte Helme und Schilde. Auch die Keramik stellt mit 468 Objekten (zumeist chinesische Blauweißkeramik der späten Ming- und Qing-Zeit, persische Kacheln und Gefäße aus dem alten Kaschan des 13. Jahrhunderts, syrische Raqqa-Ware, sowie eine kleinere Anzahl von wertvoller türkischer Keramik aus den Produktionen von Iznik, Kütahya, Canakkale und Eseri-Istanbul) einen wichtigen Bestandteil der Sammlung. Zur Keramik der Sammlung gehören auch viele Gefäße aus hochwertigem Porzellan der Meißner Marcollini-Periode (1774-1813) sowie der Alt-Wiener Staatsmanufaktur entsprechender Zeit, welches, wie bereits oben erwähnt, speziell für den orientalischen Geschmack produziert und exportiert wurde. Auch böhmisches Glas, welches im Vorderen Orient des 18. und 19. Jahrhunderts vor allem für Vasen und Wasserpfeifenbehälter beliebt war, wurde als Exportware produziert und ist in der Sammlung in einigen Beispielen vertreten. Aber auch im fernen China wurden Porzellan und Bronzen hergestellt, welches ausschließlich für den Fernexport in den Vorderen Orient bestimmt war. Manche dieser Objekte wurden gar schon vor Ort mit arabischen Schriftzeichen versehen. Daneben finden sich in der Sammlung Oppenheim aber auch verschiedene Musikinstrumente unterschiedlicher Güte, wie Lauten, Flöten, Trommeln und regional typische Saiteninstrumente. Ferner zählt zu dem Konvolut eine kleine Anzahl von Möbelstücken, wie Taburetts oder Schreibkabinette, sowie Kästen und Truhen, wie bereits die alten Photographien von Oppenheims Wohnung am Kurfürsten Damm in Berlin dokumentieren.

Der hauseigene Schwerpunkt der orientalischen Abteilung des Rautenstrauch-Joest-Museums, die Textilien- und Kostümsammlung, wird durch die Sammlung Oppenheim ideal durch eine große Anzahl auserlesener Textilien und Kleidung ergänzt, die meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Neben einer großen Schmuck- und Utensiliensammlung finden sich in der Sammlung Oppenheim auch eine Anzahl von Gerätschaften, die bei der Religionsausübung eine besondere Rolle spielen wie z.B. Amulette, Koranbehälter, Moscheelampen, Derwischspieße u.a.. Die zur Sammlung Oppenheim gehörigen Objekte umfassen daneben aber auch noch einige wenige archäologische Gegenstände, sowie ferner eine Anzahl von Gemälden aus kadjarischer Zeit, Schreibzeug, sowie die Überreste einer Bibliothek alter Bücher, die jedoch, wie weiter unten erläutert, nicht im Rautenstrauch-Joest-Museum lagern.

Wenngleich die Stücke der Sammlung Oppenheim aus islamischer Zeit im Kölner Orientalischen Seminar unter fachkundiger Betreuung standen, erlaubten doch die dortigen lokalen Verhältnisse keine ordnungsgemäße Lagerung und auch keine eingehendere wissenschaftliche Bearbeitung. Lediglich der am Institut tätige Orientalist und Schriftenkenner Friedrich Kaltz beschäftigte sich in der Folgezeit etwas intensiver mit der Sammlung, legte einen einfachen numerisch geordneten Bestands- und Photokatalog der noch vorhandenen Stücke an und übersetzte diverse arabische Inschriften, die sich auf einigen der Objekte befinden.

Neben den islamisch-orientalischen Sammlungsgegenständen der Stiftung Oppenheim, die sich nun hier im Kölner Völkerkundemuseum befinden, verbleiben vertraglich geregelt vorläufig vor allem die Reste der Originalbibliothek von Oppenheim, sowie einige bedeutende Schriftstücke, wertvolles Schreibzeug (persische Schreibkästen), einige persische Ölgemälde aus kadjarischer Zeit (1774-1924) sowie Miniaturen im Orientalischen Seminar der Universität zu Köln. Zudem wurden 1989 eine Anzahl archäologischer Objekte als Leihgabe an das Archäologische Institut der Universität zu Köln übergeben. Darüber hinaus befindet sich eine Fülle von unpublizierten Aufzeichnungen und Tagebuchnotizen, einige der veröffentlichten Werke, sowie Photoalben des Max Freiherrn von Oppenheim im Archiv des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln. Einige archäologische Stücke der Sammlung Oppenheim sind in Berlin verblieben und dort im Vorderasiatischen Museum ausgestellt, bzw. lagern, falls nicht verbrannt oder verschollen, in den Kellern des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel.

Im Rautenstrauch-Joest-Museum wurden nun, wie bereits oben erwähnt, alle anderen Stücke der Realiensammlung Max Freiherr von Oppenheims systematisch erfaßt. So reichhaltig die Sammlung Oppenheim auch ist, so dürftig sind die Originalangaben über Zeitpunkt, Ort, und Kosten des Erwerbs, oder aber auch Hinweise zur Technik und kunsthistorischen Bestimmung der Objekte. Auf Grund der Recherche im Oppenheim-Archiv des Bankhauses ließen sich jedoch in einigen Einzelfällen Hinweise auf Einkäufe, Tauschgeschäfte oder Geschenke finden. Auch werden dort unpublizierte Manuskripte Max von Oppenheims aufbewahrt, beispielsweise zur Kostümkunde im Vorderen Orient, deren Studium die Bearbeitung der Textiliensammlung im Haus erheblich erleichtern dürfte.

Aber auch ohne Originalangaben ist diese Sammlung von hohem Wert, stellt sie doch einerseits ein Spiegelbild des um die Jahrhundertwende im Vorderen Orient üblichen Kaufangebots dar, sowie andererseits persönlichen Geschmack und ästhetisches Empfinden im Stil der damaligen orientalischen Mode des Sammlers Max von Oppenheim.

Das Abendland, und nicht zuletzt der Forscher Max von Oppenheim persönlich, blieben von diesen Einflüßen nicht unberührt, was sich auch in dem stark modisch tradiertem Orientalismus des 18. und ausgehenden 19. Jh. äußerte.

Wenngleich viele der künstlerisch und kunsthandwerklich herausragenden Objekte trotz umfangreicher, durch die Oppenheim-Stiftung geförderter Restaurierungsmaßnahmen weit von einem Idealzustand entfernt sind, da sie zum Teil durch irreparable Kriegsschäden erheblich zerstört wurden, so stellt doch die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung eine ausgesprochene Bereicherung der Sammlungsbestände im Rautenstrauch-Joest-Museum dar. Die schon aufgrund ihres Alters bedeutenderen Stücke geben der vorhandenen Sammlung historische Tiefe und erlauben damit auch Einsichten in den kulturellen Wandel, so daß die gesamte Sammlung mit den in den letzten Jahren im Ethnographica-Handel und im Nahen Osten erworbenen Objekten ein relativ repräsentatives Bild der vorderorientalischen Kultur ermöglicht.

Glücklicherweise konnten dank umfangreicher Zuschüsse der Salomon Oppenheim-Stiftung zwischen 1993 und 1995 diverse bedeutendere Stücke der Sammlung der Restaurierung übergeben, sowie zusätzlich eine Anzahl wichtiger Publikationen und Sekundärliteratur zum Themenbereich der Sammlung erworben werden, die den lückenhaften Regionalbestand der Bibliothek des Rautenstrauch-Joest-Museums entscheidend verbesserte. Diese diente dann im Wesentlichen als Basis zur Bearbeitung dieser Sammlung. Auch die vorläufige Endbearbeitung der Sammlung Oppenheim im RJM konnte nur einen Werkvertrag ermöglicht werden, der über die Salomon Oppenheim-Stiftung finanziert wurde.

Da zu der Realiensammlung des Max von Oppenheim so gut wie keine Originalangaben überliefert sind, wurden bei der Bearbeitung viele Informationen durch den Vergleich der Objekte mit entsprechenden Beispielen in der Literatur ergänzt. So wurden auch soweit als möglich, Informationen über Technik und Herstellungsweise, sowie die kulturhistorische Bedeutung der Stücke eingearbeitet. Daneben wurde, wann immer möglich, fachkundiger Rat von Kollegen und spezialisierten Wissenschaftlern anderer Museen eingeholt, der in die Bestimmung und Dokumentation der Objekte mit einfloß.

Zur leichteren Handhabung der Datenbank soll ein Thesaurus der in der Datenbank verwendeten Oberbegriffe dienen. Außerdem ist zum besseren Verständnis der Sammlung im Anhang ein Lebenslauf von Max von Oppenheim, sowie eine Liste der im Oppenheim-Archiv vorhandenen Unterlagen und Photoalben angefügt. Letztendlich sollen Listen über die außerhalb des Völkerkundemuseums gelagerten oder ausgestellten Objekte der Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, bzw über die seit dem II. Weltkrieg verschollenen oder verbrannten Stücke Aufschluß geben.

1.3 Zum Zustand der Objekte

Viele Objekte der Sammlung Oppenheim wurden bereits während des II. Weltkriegs z.T. erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Auch in der Folgezeit war die Unterbringung der Sammlung im Orientalischen Seminar in vielerlei Hinsicht nicht ideal.

Nach der Überführung der Sammlung Oppenheim ins Rautenstrauch-Joest-Museum konnten viele Objekte glücklicherweise ab 1993 mit Hilfe großzügiger Zuwendungen der Sal. Oppenheim Stiftung der Restaurierung übergeben werden. Nur dadurch war es möglich, viele Objekte, die sich in einem recht desolaten Zustand befanden und oft geklebt, gefestigt oder gereinigt werden mußten, wieder in einen museologisch vertretbaren Zustand zu bringen. Dank der guten Kontakte der Restaurierungswerkstatt im Hause zur gegenüberliegenden Fachhochschule konnten knifflige Stücke gelegentlich als Studienobjekt für eine Diplomarbeit im Fachbereich Restaurierung übergeben werden. In der Sammlung Oppenheim sind, bzw. waren vor allem die Schäden an der Keramik enorm, was z. T. auf eine unsachgemäße Lagerung, z.T. sicher auch auf Kriegsschäden zurückzuführen ist. Viele Stücke waren bereits notdürftig, aber doch recht unprofessionell geklebt, so daß hier ein erheblicher restauratorischer Aufwand von Nöten war, bzw. immer noch ist. Die meisten ehemals zerstörten Stücke der Sammlung sind inzwischen restauriert, oder befinden sich auf dem Wege der Besserung. Andere Stücke sind an spezialisierte Restauratoren übergeben worden um dort eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Durch unsachgemäße Lagerung stark in Mitleidenschaft gezogen wurden vor allem auch die Textilien, die jedoch inzwischen in eigenen Schränken zwischen Steinkleeduft auf gepolsterten Bügeln aufbewahrt wurden. Die Flachgewebe sind zwischen säurefreiem Papier sorgfältig aufgerollt und in einem eigens angefertigten Schubschrank deponiert. Auch die schweren Schußwaffen sind in eigens dafür präparierten Schränken optimal untergebracht. Vorbildlich ist die Unterbringung der Kleinobjekte (Keramik, Metallteller, Scherben, Schmuck, etc.) in modernen Schubsytemen, die sorgfältigst zwischen säurefreiem Schaumstoff eingebettet sind. Die größeren Objekte lagern entweder offen in den Regalen, oder aber staubfrei verschlossen in flachen Pappkartons zwischen Seidenpapier. Die Sammlung Oppenheim kann heute Dank der intensiven Unterstützung der Restaurierung und der Sal. Oppenheim Stiftung als eine der best magaziniertesten Sammlungen des Rautenstrauch-Joest-Museums gelten.

Da das Schicksal der Sammlung Oppenheim durch Kriegsschäden entschieden mitbestimmt wurde, bietet es sich fast zwingend an, exemplarisch die prägnantesten Beispiele der Kriegszerstörung aus der Sammlung Oppenheim zu Dokumentationszwecken in diesem halbzerstörten Zustand zu erhalten. Besonders erwähnenswert sind diesbezüglich einige der alten mamlukischen, bzw. iranischen Leuchter, oder besonders augenfällige Keramikschäden.


Vorbemerkungen zur Datenbank und Numerierung

Das Problem der Numerierung

Die Vorbedingungen zur Bearbeitung der Sammlung erschienen anfangs um ein vielfaches leichter als sich nach einer zweieinhalbjährigen Beschäftigung mit dieser herausstellen sollte.

Die Sammlung war bereits zum Großteil vom bisherigen Standort im Orientalischen Seminar der Universität zu Köln ins Rautenstrauch-Joest-Museum überführt und grob nach Materialgruppen geordnet in vorhandene Regale eingeräumt worden. Neben der Sammlung existierte ein getippter numerischer Katalog über die Bestände der Max Freiherr von Oppenheim Stiftung, der allerdings außer der Inventarnummer und teils relativ ungenauen Maßangaben der Objekte kaum Informationen über die Stücke hergab.

Nach anfänglicher Neusortierung der Sammlung unter wissenschaftlichen Kriterien stellten sich jedoch bald recht hartnäckige Schwierigkeiten ein. Als ein größeres Problem erwies sich, daß etwa 180 Objekte ohne Nummern versehen waren, da die provisorischen Aufkleber (mit denen die Objektnummern auf den Stücken befestigt waren) nach dem Umzug und in Folge einer Austrocknung des Etikettenklebers abgefallen waren. Zudem stellte sich während der Bearbeitung heraus, daß die Sammlung Oppenheim nach sechs (!) unterschiedlichen Systemen numeriert war. So tauchten denn nicht weniger als 350 Doppelnumerierungen auf, die natürlich in einer neu aufzubauenden Datenbank nicht so ohne weiteres sinnvoll eingebunden werden konnten.

Obwohl längerfristig eine Neunumerierung der Sammlung Oppenheim anzustreben ist, hielten mich jedoch folgende Gründe von einer vollständigen Nummernänderung der Sammlung zum jetzigen Zeitpunkt ab:

1. Eine Anzahl von Objekten, die ebenfalls zur Sammlung Oppenheim zählen, befindet sich z.Zt. noch im Orientalischen Seminar bzw. im Archäologischen Institut der Universität zu Köln. Für die Objekte, die sich noch im Orientalischen Seminar befinden kann angenommen werden, daß diese in näherer Zukunft ebenfalls an das RJM übergeben werden. Auch diese Objekte sind vorläufig noch in der alten Numerierung erfaßt.

2. Viele Objekte der Sammlung Oppenheim wurden bereits zu einem früheren Zeitpunkt publiziert oder spielten und spielen im Schrift- und Ausleihverkehr eine Rolle. Auch hier wird auf die alten Objektnummern Bezug genommen.

3. Die alte Numerierung ist wahrscheinlich auf Grund irgendwelcher mehr oder weniger logischen Überlegungen angelegt worden. Da alle vorgefundenen unnumerierten Stücke ja irgendwann einmal mit einer Nummer versehen waren, erwies es sich oftmals lohnenswert, diese dem alten Katalog zuzuordnen.

4. Alle Textilien und sonstigen Objekte waren bereits erst kurz zuvor mühsam von den Restauratoren beschriftet worden. Ein nochmaliger Arbeitsaufwand dieser Größenordnung ist momentan weder möglich noch zumutbar.

5. Durch die Art der ursprünglichen Nummer kann auf Zusammenhänge hingewiesen werden, die weiterführenden und erklärbare Bedeutungszusammen- hänge aufzeigen. So lassen sich nicht nur die ursprüngliche Numerierung mit der Sammlungstätigkeit des Barons Max von Oppenheim in Beziehung bringen, sondern auch Verlust und Nachkriegsschicksal der Objekte (Rückführung & Rückschenkung) können so abgelesen werden.

5) Obwohl keine einheitliche lückenlose Numerierung vorhanden ist, können doch jederzeit alle Objekte anhand der aufgetragenen und in der Datenbank aufgeführten Inventarnummern klar zugeordnet und aufgefunden werden.

6) Die Numerierung weicht als Dauerleihgabe der Max-Freiherr-von-Oppenheim- Stiftung sowieso von dem hausinternen Numerierungssystem des RJMs ab. Eine Neuvergabe von Inventarnummern ist auch deshalb zum jetzigen Zeitraum nicht erforderlich, da sie nicht in den Konvolutbüchern des Museumsbestandes erscheint. Lediglich der Vorsatz:"S.O." sollte zur klaren Identifizierung bei allen Arbeiten mit Objekten und Objektnummern der Sammlung Oppenheim vorgesetzt werden.

Aufgrund der vorhandenen Situation erschien es also sinnvoll, die alte Numerierung so weit wie möglich zu klären und alle Objekte erst einmal zuzuordnen. Dabei mußten allerdings in der Gestaltung der Datenbank Kompromisse eingegangen werden. Durch die notwendigen Ergänzungen bestimmter Objektnummern (z.B. 007 = 00-Nummern; T 4711 = Textil; S 1111 = Schmuck und N 57 = neue Nummer) ließ sich das Datenfeld nicht mehr rein numerisch, sondern nur noch im alphanumerischen Modus sortieren. Die alte Katalognummer, die falls in den alten Listen angegeben, ebenfalls in einem eigenen Datenbankfeld eingetragen wurden, lassen sich hingegen auch in dieser Datenbank ohne weiteres problemlos numerisch sortieren. Sortiert man nach dieser Numerik, so hat man fast den Eindruck, als ob dies die Ursprungsordnung der Realiensammlung war, die wohl durch den Erwerb kleinerer Konvolute durch den Sammler Max von Oppenheim in den verschiedenen Ländern und Regionen geprägt war.

Der Schlüssel zur Numerierung der Sammlung Oppenheim im Einzelnen

Inv_nr:

Inventarnummern des alten Oppheimkatalogs. Diese Nummern folgen auch der Hauptnumerierung der RJM- S.O. Katalogisierung (Datenbank). Ursprünglich sollte damit wohl eine erste Gruppierung nach Objekttypen erreicht werden, was jedoch durch die starken Kriegsverluste und frühere Umnumerierungen heute keinen Sinn mehr ergibt.

Karteialt:

Bei den Nummern in dem Feld Karteialt handelt es sich um eine alte Numerik, die mit der "Katalog-Nummer" des alten Oppenheim Katalogs identisch ist.

Nummern mit dem Aufbau (z.B) "1976, 1"..

Der Nummernvorsatz "1976" bezieht sich in diesem Fall auf die Jahreszahl eines Neuzugangs bzw einer Schenkung zur Sammlung Oppenheim. So steht z.B. "1976, 1" für das zuerst aufgeführte Objekt eines Neuzugangs aus dem Jahre 1976. "1976, 2" wäre dann das zweite Objekt aus dem Jahr 1976 usw.

Nummern mit dem Vorsatz:"0.."

Diese Nummern wurden später im Orientalischen Seminar für alle diejenigen Stücke neu vergeben, die nicht mehr dem alten Katalog zuzuordnen waren.

Nummern mit dem Vorsatz (z.B.) "KFC"

Diese Nummern wurden im Orientalischen Seminar für die Scherbenbruchstücke der S.O. vergeben.

Nummern mit dem Vorsatz: "S"

Schmuck-Nummern (wie im alten Opp.-Katalog). Wenngleich im alten Opp. Katalog ohne den Vorsatz, aber in einem extra Register aufgeführt, wird hier in der Datenbank der Vorsatz "S" wegen sonstiger vielfacher Doppelnumerierung angefügt.

Nummern mit dem Vorsatz "N"

Diese Nummern beziehen sich auf Objekte, die wegen fehlender Nummernbeschriftung im Rautenstrauch-Joest-Museum nicht mehr dem alten Katalog zugeordnet werden konnten und deshalb neu vergeben wurden.

Nummern mit dem Vorsatz: "T"

Nummern mit diesem Vorsatz beziehen sich auf alle Objekte, die der Rubrik Textilien zuzuordnen sind. In Einzelfällen ist hier eine Überschneidung zum Schmuck, oder zu den Kopfbedeckungen möglich.


Die digitale Datenbank zur Sammlung Oppenheim:

Seit Ende der achtziger Jahre wird auch im Rautenstrauch-Joest-Museum verstärkt mit der Nutzung von PC gesteuerten Datenbanksystemen experimentiert. Während Anfangs die auf MS-Dos basiernde Software "dBase" für die Aufnahme objektbezogener Daten genutzt wurde, bot sich Mitte der neunziger Jahre die Möglichkeit, mit Hilfe der graphisch arbeitenden Datenbank "Access" zu arbeiten. Dieses auf der "Windows" - Oberfläche basierende System ermöglicht neben der klassischen Dateneingabe in Form von Text auch die Funktion des sog. "OLE = object link embedding". Hierbei können digitalisierte Graphiken oder Photos (auch in Farbe) mit der Datenbank kombiniert bzw. in diese eingebettet werden, wobei sich die Qualität der Abbildungen noch um ein vielfaches der hier vorgeführten Beispiele im Katalog steigern läßt. Somit wären mit den vorhandenen Mitteln auch für zukünftige Bearbeitungen Qualitätsnormen vorstellbar, die sich im Falle einer Vervielfältigung oder Publikation quasi direkt als hochwertige Druckvorlage gestalten lassen und so beträchtliche Kosten einsparen können.



Zur Einbindung eingescannter Objektphotos in die Datenbank:

Erstmalig in der Geschichte des Rautenstrauch-Joest-Museums wurde nun die Technik der Datenerfassung mit Hilfe der EDV um die Einbindung von digitalisierten Aufnahmen der Objete in die Datenbank erweitert. Im Gegensatz zu der bisherigen Methode des einfachen Objektphotos in doppelter Ausführung, welches auf die Karteikarten aufgeklebt wurde, bieten sich bei dem digitalen System folgende Vorteile:

1. Zu jedem wichtigen Datensatz in der Datenbank ist ein digitalisiertes Objektphoto (in zumeist 8-bit Farbauflösung) vorhanden, das mit dem Aufruf des jeweiligen Datensatzes angezeigt wird. Wenngleich die Photos in der Oppenheim- Datenbank auch aus Gründen der Speichergröße lediglich in einer einfachen Bildschirmauflösung angelegt wurden, kann man doch auf allen heute üblichen Standardbildschirmen eindeutig die jeweilige Objektabbildung erkennen.

2. Die entscheidenden Vorteile der digitalisierten Datenbank liegen bekanntermaßen in den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Recherche und Sortierung. Auf Knopfdruck ist es nun möglich, z.B. allen Schmuck oder alle Rauchgeräte der Sammlung Oppenheim etwa inklusive der Einbindung der zumeist farbigen Photos nach Objekten und den Herkunftsländern sortiert, anzuzeigen. Ebenso können die so kombinierten Datensätze wie im anschließenden Katalog vorgeführt, in mehr oder minder guter Qualität ausgedruckt werden.

3. Ein weiterer Vorteil der jeweils als "*.bmp" eingebundenen Objektphotos liegt in der unbegrenzten und kostengünstigen Möglichkeit der Vervielfältigung durch einfaches Kopieren der Dateien auf andere Speichermedien (Disketten etwa) ohne Qualitätsverlust.

4. Diese Möglichkeit der OLE-Funktionen in der Datenbank bietet auch für die zukünftige Datenbearbeitung alle Voraussetzung für die Vernetzungsmöglichkeiten von Computern untereinander; entweder aller Mitarbeiter innerhalb des Museums, oder aber sogar wie ohne weiteres technisch machbar, als "server" - Angebot im Internet. So könnten interessierte Wissenschaftler aus anderen Museen in Zukunft auf Anfrage ohne große technische Änderungen der hier bestehenden Datenbankform die betreffenden Objektinformationen inklusive der Bilder kostengünstig und schnell zur eigenen Ausstellungs- und Ausleihrecherche etwa laden.

5. Last, but not least sollte die sich anbietende kostengünstige Möglichkeit einer Konservierung der mit gescannten Objektphotos eingebundenen Datenbank auf CD- Rom nicht unerwähnt bleiben. Individuell beschriebene CDs lassen sich heute problemlos und äußerst günstig herstellen und und in allen gegenwärtigen Rechnern, die über ein CD-Rom Laufwerk verfügen, abspielen.

Ein Nachteil der digitalisierten Objektphotos in der hier vorliegenden Oppenheim-Datenbank sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben: Da viele Objektphotos nur in mangelhafter Vorlage oder zu klein aufgenommen vorlagen, variiert die Qualität der eingescannten Aufnahmen teilweise beträchtlich. Während teilweise erstaunlich gute Reproduktionsergebnisse in Bildschirmdarstellung und Ausdruck erreicht werden, weicht doch hier und da das Reproduktionsergebnis von einer befriedigenden Darstellungsform ab. Allerdings könnten problemlos alle Bilder in schlechter Qualität neu gescannt und jederzeit später wieder ohne größeren Aufwand innerhalb der Datenbank ausgetauscht werden.

Anmerkungen