Die Realiensammlung des Max Freiherrn von Oppenheim
Dokumentation
der Dauerleihgabe der
Sammlung Max Freiherr von Oppenheim
im Rautenstrauch-Joest-Museum der Stadt Köln
bearbeitet von Dr. phil. Andus Barton Emge - Köln, 1996 -(Der komplett ausgedruckte Inventarkatalog der Sammlung Oppenheim steht im RJM während der regulären Bibliotheksöffnungszeiten zur Einsichtnahme bereit)
1.1 Der Baron Max von Oppenheim (hier ein Link zu gesondertem Artikel)
1.2 Die Realiensammlung im Rautenstrauch-Joest-Museum
1.3 Zum Zustand der Objekte
2. Vorbemerkungen zur Datenbank und
Numerierung
2.1 Problem der Numerierung; Schlüssel
2.2 Die Datenbank zur Sammlung Oppenheim
2.3 Einbindung eingescannter Objektphotos in die Datenbank
2.4 Thesaurus und Sortierfunktionen
3. Bestandskatalog der Sammlung Oppenheim im
RJM:
(alphabetische und objektgruppenbezogene Sortierreihenfolge
keine Seitennumerierung; dafür rote, bzw. blaue Trennblätter)
Band I. DIVERSE MATERIALGRUPPEN
Metall (alphabetisch sortiert nach Objektarten)
Waffen (alphabetisch sortiert in Untergruppen: Stich & Hiebwaffen; Pfeile & Bögen; Keulen; Handfeuerwaffen; Rüstungsteile; Schilde; Waffen- und Reitzubehörzubehör)
Glas (alphabetisch sortiert nach Objektarten)
Holz (alphabetisch sortiert in Untergruppen: Truhen
und Kästen; Taburetts und Hocker; Druckstöcke; Schlösser;
alte Holzstücke,
Diverses (alphabetisch sortiert nach Objektarten)
Schmuck (alphabetisch sortiert nach Objektarten);
Kopf- und Haarschmuck (Diadem; Kopfbedeckungen; Zubehör)
Gürtel und Gürtelschnallen
Spielfiguren Karagöz-Figuren; Schachfiguren
Fächer & Wedel Flechtwerk und Haarwedel
Diverses Rückenkratzer; Zierschalen;
/
Baudekor: Fliesen und Schrifttafeln
Vorderer Orient (alphabetisch sortiert nach Objektarten: Filter; Flaschen; Teller; Schalen; Vasen etc.)
Türkische Keramik: Iznik; Kütahya; Hängezierate; Canakkale-Keramik; Eseri- Istanbul; Pfeifen
Mittelmeer Keramik: Maghrebinische Keramik; Spanische Lüsterkeramik; Majolika
Europäische Keramik: Alt-Wien und Meissen; Diverse Europa: Delft, Frankreich, England etc.
Ostasiatische Keramik der Ming Dynastie: (alphabetisch sortiert nach Objektarten);
Keramik Keramik der Qing Dynastie: (alphabetisch
sortiert nach Objektarten); Exportkeramik mit islamischer Inschrift
Scherben und Bruchstücke
Band III. SORTIERTE THEMENGRUPPEN
Musikinstrumente: Flöten; Saiteninstrumente;
Trommeln
Rauchgeräte: Mundstücke; Pfeifen; Wasserpfeifen und Zubehör
Duftkultur: Rosenwassersprenkler; Parfumflacons; Räucherbecken
Kultgegenstände: Amulette; Beschneidungsutensilien; Derwischinstrumente;
Amulette Korankasten; Zauberschalen; Rosenkränze
Licht: Ampeln; Laternen; Leuchter; Lichtputzscheren
Kaffee: Kaffeekännchen; Kaffeemühlen und Röstlöffel;
Kaffeekoppchen
Messinstrumente: Astrolabien; Kompasse; Quadranten; Uhren; Waagen
Schlösser: Fallbolzenschlösser; Bügelschlösser;
Koppeln
Textilien: Basisdaten der Textilsammlung Oppenheim (ohne Bilder)
Anhang:
Lebenslauf des Barons Max von Oppenheim
Objekte der Sammlung Oppenheim im Orientalischen Seminar
Objekte der Sammlung Oppenheim im Archäologischen Institut
Dokumente im Archiv des Bankhauses Oppenheim
Soviel war mir klar: Aufgabe war es, eine Dokumentation der im Rautenstrauch-Joest-Museum
befindlichen Sammlung des Barons Max von Oppenheim anzufertigen. Wie ich
das anging, das blieb mir überlassen.
Anfangs fühlte ich mich ein wenig hilflos bei der Inspektion dieser
auf den ersten Blick etwas skurril anmutenden Realiensammlung des Max Freiherrn
von Oppenheim, kam ich doch von meiner Ausbildung her eher von der gegenwartsbezogenen
Ethnologie, zwar mit dem Regionalschwerpunkt Türkei, aber doch mit
eher rudimentären Kenntnissen von der islamischen Kunstgeschichte.
Dennoch faszinierte mich diese Sammlung von Anfang an, denn sie stellte
zum einen nicht nur ein Spiegelbild der großbürgerlichen Sammlertätigkeit
der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrtausend dar, sondern führte
mir darüber hinaus auch erstmalig in meinem Leben eine solch große
Anzahl von mitunter bedeutenden Objekten unmittelbar und anfaßbar
vor Augen. Mein Interesse an der Sammlung Oppenheim war geweckt, und dank
der ergänzenden Literaturstudien wurde sie für mich von Tag zu
Tag wertvoller. Allmählich begann ich wirklich die Leidenschaft zu
verstehen, mit der sich der Baron Oppenheim seiner Sammlertätigkeit
hingegeben hatte. Ich entwickelte mit der Zeit einen gewissen Sinn für
diese Objekte und ahnte dahinter eine Welt, deren Geheimnisse mir zwar
bis heute zumeist verborgen blieben, doch die in vielfältiger Weise
mit Semiotik und Kulturgeschichte beladen war. So ist z.B. eine Zauberschale
der Sammlung Oppenheim eben nicht nur eine mit Rechteckmustern gravierte
Messingschale, sondern dahinter verbirgt sich ein eigenes geheimes Wissen,
welches heute meist kaum noch zu lüften ist. Magische Zahlenquadrate,
dubiose Zeichen und und arabische Schrift weisen auf ehemalige Bedeutungszusammenhänge
hin, die nun einmal bei noch so willigen Interpretationsversuchen nicht
in einem Museum inventarisiert oder gelagert werden können. Viele
Stücke der Sammlung Oppenheim sind heute Zeugnisse einer Hochkultur,
deren kunsthandwerkliche Fähigkeiten unnachahmbar vergessen sind.
Nun galt es aber erst einmal, Ordnung in die doch ziemlich chaotisch
vorgefundene Sammlung zu bringen. Neben einer räumlichen Neuordnung
stand die Erfassung der Sammlung mittels einer digitalen Datenbank im Vordergrund
der Bearbeitung . Das System der konsequenten digitalen Archivierung wurde
ja bereits für die Bearbeitung der Nordamerika-Sammlung im RJM erfolgreich
eingesetzt, doch mich reizte es, dieses bisher bildlose und damit recht
trockene Datenbanksystem um die weiterführende Möglichkeit der
digitalen Bildbearbeitung, mit der ich auch privat experimentierte, zu
erweitern. Mein Ziel war es somit auch, die bisherigen Nachteile der bildlosen
Datenbanken im Vergleich zu den mit Objektphotos oder Zeichnungen versehenen
Karteikarten der klassichen Art wett zu machen. Der Vorteil lag auf der
Hand, denn sollte mein Plan gelingen, so sind (jederzeit auch kostengünstig
kopierbar) auch im Computer sofort alle nach spezifischen Kriterien sortierten
Objektbeschreibungen inklusive der digitalisierten Objektphotos abrufbar.
Diese Form der Bearbeitung erweist ihren Vorteil nicht nur in dem hier
vorgeführten Beispiel der Sammlung Oppenheim, sondern könnte
auch für künftige Dokumentationen des Museums wegweisend sein,
ermöglicht diese Methode doch zweifellos die schnellste und damit
auch kostengünstigste Recherche nach bestimmten Objekten.
Meinen, für das Museum recht innovativen Plan in die Tat umzusetzen,
glich jedoch anfangs eher einer Experimentabfolge in einem Versuchslabor,
wo auch erst einmal das meiste schiefgeht, bevor man zum erhofften Ergebnis
kommt. Einmal war es zweifellos mein eigenes "menschliches Versagen"
hinsichtlich konsequenter Datensicherung, ein andermal waren es folgenschwere
"Hardware"- Probleme, bedingt durch elektrostatische Aufladung
am Arbeitsplatz, die mir das Leben oder vielmehr die Bearbeitung der Sammlung
schwer machten.
Die Bearbeitung einer solch umfangreichen Sammlung wäre in dieser Art nicht möglich gewesen ohne die Hilfe vieler Kolleginnen und Kollegen sowie Hausangestellten. Insbersondere möchte ich den Herren Dr. Ulrich Wiesner, Christoph Rust, sowie den Damen Brigitte Majlis, Gabriele Sill-Schmitt, Beate Wolter, Birgit Brand, Gertrud Borsch, Katja Mees und dem stets hilfsbereiten Herrn Beyene Tekleyes danken. Besonders danken möchte ich aber auch den von mir betreuten Studentinnen Gül Berken, Simone Gründig, Petra Kassler, Martina Kessel und Katja Lenz aus dem Institut für Völkerkunde der Universität Köln, die mir während meiner dreijährigen Zeit im Museum tatkräftig im Rahmen ihrer Praktika zur Seite standen. Aber auch auswärtigen Kollegen, wie Frau Dr. Almuth von Gladiss aus dem Berliner Museum für islamische Kunst, Frau Dr. Elke Niewöhner aus dem Kestner-Museum Hannover sowie Herrn Prof. Dr. Sarma, Herrn Leo Figuel aus den USA und vielen anderen bin für ihre Hilfe bei der Beurteilung der Sammlung dankbar. Einen besonderen Dank gebührt auch dem Stifterverband der Deutschen Wissenschaften, der mir während meiner Zeit der Bearbeitung der Sammlung Oppenheim einen wesentlichen Teil der Finanzierung gewährleistete.
Letztendlich möchte ich der Direktorin dieses Museums, Frau Prof.
Dr. Gisela Völger einen besonderen Dank aussprechen, die mir diese
so komplexe Sammlung Oppenheim als eine der Mustersammlungen des Museums
zur freien Bearbeitung in eigener Verantwortung anvertraute. Wenngleich
mein wissenschaftlicher Kenntnisstand und die klimatischen Bedingungen
im Magazin bei weitem nicht immer ideal waren, so freue ich mich doch,
diese Arbeit im Kreise vieler so netter Kolleginnen und Kollegen gemacht
haben zu dürfen.
Andus Emge, im Mai 1996
Zur Person und Sammlung des
Barons Max von Oppenheim
In der jüngeren Zeit finden sich kaum noch
weitgehend unbearbeitete Sammlungen von größerem Umfang aus
Privatbesitz, die sich außerdem mit ihrem Sammlungsschwerpunkt auf
den Vorderen Orient konzentrieren. So ist es für das Rautenstrauch-Joest-Museum
ein Glücksfall, daß Anfang der neunziger Jahre die Realien der
Max Freiherr von Oppenheim - Stiftung als Dauerleihgabe für die Orientalische
Sammlung des Museums gewonnen werden konnten.
Zwar wußte die Fachwelt schon immer um die
Sammlung des Barons Max von Oppenheim, aber widrige Umstände in Folge
des II. Weltkrieges, sowie eine daraus resultierende ungeeignete Unterbringung
der Sammlung ließen diese nie in ihrer Gänze erschließen.
Nur in Einzelfällen konnten die Objekte bearbeitet, für Ausstellungen
ausgeliehen, oder auch publiziert werden.
Nach Überführung der Sammlung Oppenheim
als Dauerleihgabe der Max Freiherr von Oppenheim - Stiftung ins Rautenstrauch-Joest-Museum
Anfang der neunziger Jahre sind nun fast alle Objekte unter verhältnismäßig
optimalen Bedingungen untergebracht und über eine Datenbank erschließbar.
Hier finden sich, wie auch in dem ausgedruckten und nach Themen- und Objektgruppen
sortierten Katalog die wissenschaftlichen Bestimmungen und die Beschreibungen
der Stücke, sowie technische Angaben und weiterführende Literatur
oder auch eventuelle Hinweise zu Vergleichsstücken.
Wegen der Komplexität der Sammlung und aufgrund
der begrenzten Bearbeitungszeit ist es nicht immer möglich gewesen,
jedes einzelne Objekt eindeutig zu bestimmen. Gerade die Geschichte des
Vorderen Orients zeichnet sich durch eine Vielzahl von sich zeitlich und
räumlich unterscheidender Kulturen aus, wobei auch die Fluktuation
der Kunsthandwerker in diesen Regionen ganz außerordentlich war.
1.1 Der Baron Max von Oppenheim
Der Orientforscher Max Freiherr von Oppenheim
(15.07.1860 - 15.11.1946) lebte gegen Ende des letzten und zu Beginn dieses
Jahrhunderts viele Jahre als preußischer Diplomat in Kairo und Istanbul,
wo er aktiv an der internationalen Politik teilnahm und Forschungen zur
Geschichte der arabischen Völker durchführte.
Er erfüllte sich damit einen Kindheitswunsch,
den er seit der Schulzeit hegte: Er selbst bezeichnete es in seinen umfangreichen
Erinnerungen als: " geradezu ausschlaggebend für mein Leben...,
daß ich die Tausend und eine Nacht in der großen vierbändigen
illustrierten Ausgabe von Weil, die ich schon in der Sekunda Weihnachten
zum Geschenk erhielt, mit Begeisterung las und studierte. Hierdurch wurde
in mir der Gedanke, Forschungsreisender, und zwar im islamischen Orient
zu werden, immer mehr bestärkt, ein Gedanke, der mich nie verließ..."
Aber zunächst erhielt Max von Oppenheim entsprechend dem Wunsche seines
Vaters eine seriöse Ausbildung und wenn er schon nicht der Familientradition
des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. folgte, so immatrikulierte
er sich doch erst einmal im Fache Jura. Nach seinem Referendariat in Köln
wechselte Max von Oppenheim an das Regierungspräsidium in Wiesbaden.
Von dort aus begleitete er im Winter 1883/84 seinen Onkel auf eine Reise
in die osmanische Türkei, wo er nun erstmals den Orient kennen lernte,
der ihn sofort ganz in seinen Bann schlug.
Nach seiner Rückkehr richtete sich Max von
Oppenheim in seiner Wiesbadener Wohnung ein türkisches Zimmer ein.
Im Jahre 1892 unternahm der Baron zusammen mit dem Mitbegründer des
Rautenstrauch-Joest-Museums, dem Ethnographen Wilhelm Joest eine Forschungsreise
von Marokko aus quer durch Nordafrika nach Kairo, wo er sieben Monate in
einem traditionellen Haus in einem tief arabischen Viertel wohnte. "Hier
lebte ich wie die einheimischen Mohammedaner, um mich in der arabischen
Sprache weiterzubilden und den Geist des Islams sowie Sitten und Gebräuche
der Eingeborenen zu studieren". Als Kenner der orientalischen Bräuche
fiel ihm das opulente Leben arabischer Prägung nicht weiter schwer:
Der Junggeselle verfügte über eine "vortreffliche schwarze
Köchin, die natürlich nur die Eingeborenen-Gerichte kannte",
ein fünfzehnjähriges, bildhübsches arabisches Mädchen
mit einem abbessinischem Einschlag als "Zeitfrau", sowie über
eine spezielle "Bettdienerin". Dieses Ambiente gestaltete ihm
das Leben so interessant, daß Oppenheim, wie er schreibt, "während
der halbjährigen Zeit, in der ich in dem Hause zubrachte, im ganzen,
wenn ich mich recht erinnere, etwa fünf Mal in das europäische
Viertel gegangen bin". 1896 tritt Oppenheim, der zu den Dutzfreunden
Kaiser Wilhelms II. zählte, in den diplomatischen Dienst ein und wird
dem kaiserlichen Generalkonsulat in Ägypten zugeteilt, eine Tätigkeit,
die er bis 1909 ausübte.
Damit begann sein eigentliches "Doppelleben"
als "Araber" und als Mitglied der privilegierten diplomatischen
Kreise. In seinen unpublizierten Memoiren schreibt er: "Ich setzte
es durch, mit dem Sitz in Kairo den Auftrag zu erhalten, die ganze islamische
Welt zu beobachten und hinterher an das Amt zu berichten. Dann begann,
während 13 Jahren, wohl die Glanzzeit meines Lebens..." Die exotische
Intimität seines Privatlebens konnte Max von Oppenheim während
seiner Zeit in Kairo "absolut verborgen halten" und der "Harem"
seines Hauses blieb seinen europäischen Gästen ebenso unbekannt
wie die sagenumwobenen Frauengemächer der osmanischen Sultane.
Auf diversen mehr oder weniger ausgedehnten Forschungsreisen
suchte Oppenheim Kontakt zu lokalen Stammesführern, um sich über
die politischen und sozialen Verhältnisse zu informieren. Besonderes
Interesse galt bei seinen Forschungen daher auch den Beduinenstämmen.
In ausführlicher Form dokumentiert Oppenheim, der die Stammessprachen
fließend spricht, gesellschaftliche Struktur und genealogische Zusammenhänge,
die von ihm genauso in teils mehrbändigen Werken publiziert wurden,
wie weitere Veröffentlichungen über Reiseeindrücke, soziopolitische
Verhältnisse im Orient, sowie Teile seiner archäologischen Forschung.
Oppenheim war schon immer fasziniert von der Archäologie,
welcher er vor allem nach 1899 durch einen schicksalhaften Zufall größere
Beachtung schenkte. Während einer Erkundungsreise im Rahmen der Streckenplanung
der Bagdad-Bahn entdeckt er nämlich den hethitischen Siedlungshügel
Tell Halaf in Syrien, wo die älteste bekannte prähistorische
Buntkeramik aus dem fünften und vierten Jahrtausend v. Chr. zu Tage
kam. Besonders beindruckende Funde sind auch die Stelen und Steinfiguren,
(die leider später im Krieg verbrannten). Max von Oppenheim sieht
sich nun zunehmend als Archäologe und finanzierte, nachdem er vorläufig
aus dem diplomatischen Dienst austritt aus eigenen Mitteln eine Grabung,
die er 1913 nach zweieinhalbjähriger Dauer erst einmal abschloß.
Erst nach den Wirren des Ersten Weltkriegs, starken persönlichen Finanzeinbußen
in Folge der Währungsreform und dem Zusammenbruch des osmanischen
Reiches konnten ab 1927 weitere Grabungskampagnen weitergeführt werden
. Dort wird Oppenheim auch einmal von Aghata Christie besucht, die mit
ihrem zweiten Mann, dem Archäologen Max Mallowan zu jener Zeit den
Orient bereiste und u.a. folgendes in ihren "Erinnerungen an glückliche
Tage" beschreibt: "Oft sprechen wir mit den Einheimischen auf
den vielen Hügeln, die wir noch vor Tell Halaf aufsuchen. Hier gibt
es überall Legenden um El Baron, meist handeln sie von dem Gold, das
er mit vollen Händen ausschüttete. Mit der Zeit ist es zu Unsummen
angewachsen. Nicht einmal der deutschen Regierung trauen wir diesen Goldsegen
zu, von dem die Überlieferung berichtet." Die meisten auch dieser
durch die Tell Halaf Grabungen gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse
legte Oppenheim in der Folgezeit als heute noch immer hoch geschätzte
Publikationen vor.
1.2 Die
Realiensammlung im Rautenstrauch-Joest-Museum
Der Baron Max von Oppenheim widmete sich Zeit
seines Lebens darüber hinaus auch einer intensiven Sammlertätigkeit
islamischen Kunsthandwerks. Dabei trug er exemplarisch jene Stücke
aus dem Vorderen Orient zusammen, die zu jener Zeit im Kunsthandel erhältlich
waren. Das Interesse für das Sammeln von Kunstobjekten wurde sicher
ganz wesentlich durch seinen Vater Albert von Oppenheim (1834-1912) geweckt,
der seinerzeit bereits ein begeisterter und auch bekannter Kunstsammler
war.
Systematisch suchte er, wie weiter unten beschrieben,
nach Stücken, die stellvertretend für bestimmte Gattungen und
Epochen standen. Auch wurde seine Sammlung durch Geschenke lokaler Scheichs
und anderer Würdenträger, die Oppenheim oft konsultierte, ergänzt.
Max von Oppenheim konzentrierte sich neben dem Sammeln von islamischem Kunsthandwerk aus den verschiedensten Regionen und Zeitepochen auch auf "Exportartikel", also Gegenstände, die nicht im Orient, sondern im hiesigem Fall vor allem in Europa (Meißen/Böhmen), aber auch in China und Fernost für den Geschmack des Vorderen Orients hergestellt, und speziell in diese Gebiete exportiert wurden. Diese Objekte bilden heute einen nicht unbedeutenden Teil der Sammlung.
Nach seinen Aufenthalten im Nahen Osten wurden
die Stücke nach Berlin transportiert, wo sie von einem qualifizierten
Mitarbeiterstab Max von Oppenheims im Rahmen der von ihm gegründeten
"Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung" erstmalig inventarisiert
und in einfachster Form beschrieben wurden. Wenngleich diese Objekte nicht,
wie die Ausgrabungen aus der hethitischen Residenz am Siedlungshügel
Tell Halaf, in einem eigens gegründeten Museum ausgestellt
und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, so dekorierten
sie doch, wie die historischen Photographien (die sich noch heute im Archiv
des Bankhauses Oppenheim befinden) zeigen, zum Großteil die Räume
der "Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung" am Kurfürstendamm
in Berlin, wo Max von Oppenheim auch sein Domizil hatte. Während der
großen Bombenangriffe zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die
Räume der Stiftung, wie auch das gerade neu gegründete Tell
Halaf Museum getroffen, wobei vieles, vor allem die archäologischen
Bestände, aber auch die wertvollsten Stücke aus islamischer Zeit,
zerstört oder später geplündert wurden. Nur dem engagierten
Einsatz befreundeter Mitarbeiter der Stiftung (vor allem der Ehepaare Caskel,
Erdmann u.a.) verdanken wir die Rettung der übrig gebliebenen Sammlungsstücke
aus islamischer Zeit, die nun auf dem Umweg über das Orientalische
Seminar der Universität Köln heute im Rautenstrauch-Joest-Museum
für Völkerkunde wieder eine geeignete Unterbringung erfahren.
Die Sammlung Oppenheim, die heute als Dauerleihgabe
dem Rautenstrauch-Joest-Museum zur Verfügung gestellt wurde, besteht
inklusive der Textiliensammlung aus ca. 1500 Objekten, die zumeist im Vorderen
Orient von Max von Oppenheim Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
persönlich gesammelt wurden. Diese relativ frühe geschlossene
Sammlung von Ethnograhica spiegelt somit auch einen Querschnitt des kunsthandwerklichen
Angebotes auf den orientalischen Märkten der Jahrhundertwende und
im Kunsthandel wider. Sie umfaßt im wesentlichen qualitativ hochwertige
Metallarbeiten unterschiedlichster Art und Epochen, wie z. B. mamlukische
Teller und Gefäße aus dem 14. und 15. Jahrhundert, silbertauschierte
seldschukische und persische Leuchter, die teilweise aus dem anatolischen
Konya zu Zeiten des Begründers des Ordens der tanzenden Derwische,
Djalal al-Din Rumi aus dem 13. Jahrhundert stammen. In der Sammlung Oppenheim
findet sich daneben auch osmanisches Silber mit türkisch-barocker
Ornamentierung aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie eine Anzahl vergoldeter
Kupfergefäße (Tombak), welche teilweise aus dem 16. Jahrhundert
stammen. Als typische Merkmale der Sammelleidenschaft jener Zeit finden
sich auch in der Sammlung Oppenheim diverse Schutz- und Trutzwaffen, die
teilweise von höchster Güte sind. So gibt es neben alten türkisch/persischen
Reflexbögen eine Anzahl hochwertiger Klingen und Gewehrläufe
aus edelstem Damaszenerstahl, aber auch sorgfältig mit Gold tauschierte
Helme und Schilde. Auch die Keramik stellt mit 468 Objekten (zumeist chinesische
Blauweißkeramik der späten Ming- und Qing-Zeit, persische Kacheln
und Gefäße aus dem alten Kaschan des 13. Jahrhunderts,
syrische Raqqa-Ware, sowie eine kleinere Anzahl von wertvoller türkischer
Keramik aus den Produktionen von Iznik, Kütahya, Canakkale
und Eseri-Istanbul) einen wichtigen Bestandteil der Sammlung. Zur
Keramik der Sammlung gehören auch viele Gefäße aus hochwertigem
Porzellan der Meißner Marcollini-Periode (1774-1813) sowie
der Alt-Wiener Staatsmanufaktur entsprechender Zeit, welches, wie
bereits oben erwähnt, speziell für den orientalischen Geschmack
produziert und exportiert wurde. Auch böhmisches Glas, welches
im Vorderen Orient des 18. und 19. Jahrhunderts vor allem für Vasen
und Wasserpfeifenbehälter beliebt war, wurde als Exportware produziert
und ist in der Sammlung in einigen Beispielen vertreten. Aber auch im fernen
China wurden Porzellan und Bronzen hergestellt, welches ausschließlich
für den Fernexport in den Vorderen Orient bestimmt war. Manche dieser
Objekte wurden gar schon vor Ort mit arabischen Schriftzeichen versehen.
Daneben finden sich in der Sammlung Oppenheim aber auch verschiedene Musikinstrumente
unterschiedlicher Güte, wie Lauten, Flöten, Trommeln und regional
typische Saiteninstrumente. Ferner zählt zu dem Konvolut eine kleine
Anzahl von Möbelstücken, wie Taburetts oder Schreibkabinette,
sowie Kästen und Truhen, wie bereits die alten Photographien von Oppenheims
Wohnung am Kurfürsten Damm in Berlin dokumentieren.
Der hauseigene Schwerpunkt der orientalischen
Abteilung des Rautenstrauch-Joest-Museums, die Textilien- und Kostümsammlung,
wird durch die Sammlung Oppenheim ideal durch eine große Anzahl auserlesener
Textilien und Kleidung ergänzt, die meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert
stammen. Neben einer großen Schmuck- und Utensiliensammlung finden
sich in der Sammlung Oppenheim auch eine Anzahl von Gerätschaften,
die bei der Religionsausübung eine besondere Rolle spielen wie z.B.
Amulette, Koranbehälter, Moscheelampen, Derwischspieße u.a..
Die zur Sammlung Oppenheim gehörigen Objekte umfassen daneben aber
auch noch einige wenige archäologische Gegenstände, sowie ferner
eine Anzahl von Gemälden aus kadjarischer Zeit, Schreibzeug, sowie
die Überreste einer Bibliothek alter Bücher, die jedoch, wie
weiter unten erläutert, nicht im Rautenstrauch-Joest-Museum lagern.
Wenngleich die Stücke der Sammlung Oppenheim
aus islamischer Zeit im Kölner Orientalischen Seminar unter fachkundiger
Betreuung standen, erlaubten doch die dortigen lokalen Verhältnisse
keine ordnungsgemäße Lagerung und auch keine eingehendere wissenschaftliche
Bearbeitung. Lediglich der am Institut tätige Orientalist und Schriftenkenner
Friedrich Kaltz beschäftigte sich in der Folgezeit etwas intensiver
mit der Sammlung, legte einen einfachen numerisch geordneten Bestands-
und Photokatalog der noch vorhandenen Stücke an und übersetzte
diverse arabische Inschriften, die sich auf einigen der Objekte befinden.
Neben den islamisch-orientalischen Sammlungsgegenständen
der Stiftung Oppenheim, die sich nun hier im Kölner Völkerkundemuseum
befinden, verbleiben vertraglich geregelt vorläufig vor allem die
Reste der Originalbibliothek von Oppenheim, sowie einige bedeutende Schriftstücke,
wertvolles Schreibzeug (persische Schreibkästen), einige persische
Ölgemälde aus kadjarischer Zeit (1774-1924) sowie Miniaturen
im Orientalischen Seminar der Universität zu Köln. Zudem wurden
1989 eine Anzahl archäologischer Objekte als Leihgabe an das Archäologische
Institut der Universität zu Köln übergeben. Darüber
hinaus befindet sich eine Fülle von unpublizierten Aufzeichnungen
und Tagebuchnotizen, einige der veröffentlichten Werke, sowie Photoalben
des Max Freiherrn von Oppenheim im Archiv des Bankhauses Sal. Oppenheim
jr. & Cie. in Köln. Einige archäologische Stücke der
Sammlung Oppenheim sind in Berlin verblieben und dort im Vorderasiatischen
Museum ausgestellt, bzw. lagern, falls nicht verbrannt oder verschollen,
in den Kellern des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel.
Im Rautenstrauch-Joest-Museum wurden nun, wie
bereits oben erwähnt, alle anderen Stücke der Realiensammlung
Max Freiherr von Oppenheims systematisch erfaßt. So reichhaltig die
Sammlung Oppenheim auch ist, so dürftig sind die Originalangaben über
Zeitpunkt, Ort, und Kosten des Erwerbs, oder aber auch Hinweise zur Technik
und kunsthistorischen Bestimmung der Objekte. Auf Grund der Recherche im
Oppenheim-Archiv des Bankhauses ließen sich jedoch in einigen Einzelfällen
Hinweise auf Einkäufe, Tauschgeschäfte oder Geschenke finden.
Auch werden dort unpublizierte Manuskripte Max von Oppenheims aufbewahrt,
beispielsweise zur Kostümkunde im Vorderen Orient, deren Studium die
Bearbeitung der Textiliensammlung im Haus erheblich erleichtern dürfte.
Aber auch ohne Originalangaben ist diese Sammlung
von hohem Wert, stellt sie doch einerseits ein Spiegelbild des um die Jahrhundertwende
im Vorderen Orient üblichen Kaufangebots dar, sowie andererseits persönlichen
Geschmack und ästhetisches Empfinden im Stil der damaligen orientalischen
Mode des Sammlers Max von Oppenheim.
Das Abendland, und nicht zuletzt der Forscher
Max von Oppenheim persönlich, blieben von diesen Einflüßen
nicht unberührt, was sich auch in dem stark modisch tradiertem Orientalismus
des 18. und ausgehenden 19. Jh. äußerte.
Wenngleich viele der künstlerisch und kunsthandwerklich
herausragenden Objekte trotz umfangreicher, durch die Oppenheim-Stiftung
geförderter Restaurierungsmaßnahmen weit von einem Idealzustand
entfernt sind, da sie zum Teil durch irreparable Kriegsschäden erheblich
zerstört wurden, so stellt doch die wissenschaftliche Erschließung
der Sammlung eine ausgesprochene Bereicherung der Sammlungsbestände
im Rautenstrauch-Joest-Museum dar. Die schon aufgrund ihres Alters bedeutenderen
Stücke geben der vorhandenen Sammlung historische Tiefe und erlauben
damit auch Einsichten in den kulturellen Wandel, so daß die gesamte
Sammlung mit den in den letzten Jahren im Ethnographica-Handel und im Nahen
Osten erworbenen Objekten ein relativ repräsentatives Bild der vorderorientalischen
Kultur ermöglicht.
Glücklicherweise konnten dank umfangreicher
Zuschüsse der Salomon Oppenheim-Stiftung zwischen 1993 und 1995 diverse
bedeutendere Stücke der Sammlung der Restaurierung übergeben,
sowie zusätzlich eine Anzahl wichtiger Publikationen und Sekundärliteratur
zum Themenbereich der Sammlung erworben werden, die den lückenhaften
Regionalbestand der Bibliothek des Rautenstrauch-Joest-Museums entscheidend
verbesserte. Diese diente dann im Wesentlichen als Basis zur Bearbeitung
dieser Sammlung. Auch die vorläufige Endbearbeitung der Sammlung Oppenheim
im RJM konnte nur einen Werkvertrag ermöglicht werden, der über
die Salomon Oppenheim-Stiftung finanziert wurde.
Da zu der Realiensammlung des Max von Oppenheim
so gut wie keine Originalangaben überliefert sind, wurden bei der
Bearbeitung viele Informationen durch den Vergleich der Objekte mit entsprechenden
Beispielen in der Literatur ergänzt. So wurden auch soweit als möglich,
Informationen über Technik und Herstellungsweise, sowie die kulturhistorische
Bedeutung der Stücke eingearbeitet. Daneben wurde, wann immer möglich,
fachkundiger Rat von Kollegen und spezialisierten Wissenschaftlern anderer
Museen eingeholt, der in die Bestimmung und Dokumentation der Objekte mit
einfloß.
Zur leichteren Handhabung der Datenbank soll ein
Thesaurus der in der Datenbank verwendeten Oberbegriffe dienen. Außerdem
ist zum besseren Verständnis der Sammlung im Anhang ein Lebenslauf
von Max von Oppenheim, sowie eine Liste der im Oppenheim-Archiv vorhandenen
Unterlagen und Photoalben angefügt. Letztendlich sollen Listen über
die außerhalb des Völkerkundemuseums gelagerten oder ausgestellten
Objekte der Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, bzw über die seit
dem II. Weltkrieg verschollenen oder verbrannten Stücke Aufschluß
geben.
Viele Objekte der Sammlung Oppenheim wurden bereits
während des II. Weltkriegs z.T. erheblich in Mitleidenschaft gezogen.
Auch in der Folgezeit war die Unterbringung der Sammlung im Orientalischen
Seminar in vielerlei Hinsicht nicht ideal.
Nach der Überführung der Sammlung Oppenheim
ins Rautenstrauch-Joest-Museum konnten viele Objekte glücklicherweise
ab 1993 mit Hilfe großzügiger Zuwendungen der Sal. Oppenheim
Stiftung der Restaurierung übergeben werden. Nur dadurch war es möglich,
viele Objekte, die sich in einem recht desolaten Zustand befanden und oft
geklebt, gefestigt oder gereinigt werden mußten, wieder in einen
museologisch vertretbaren Zustand zu bringen. Dank der guten Kontakte der
Restaurierungswerkstatt im Hause zur gegenüberliegenden Fachhochschule
konnten knifflige Stücke gelegentlich als Studienobjekt für eine
Diplomarbeit im Fachbereich Restaurierung übergeben werden. In der
Sammlung Oppenheim sind, bzw. waren vor allem die Schäden an der Keramik
enorm, was z. T. auf eine unsachgemäße Lagerung, z.T. sicher
auch auf Kriegsschäden zurückzuführen ist. Viele Stücke
waren bereits notdürftig, aber doch recht unprofessionell geklebt,
so daß hier ein erheblicher restauratorischer Aufwand von Nöten
war, bzw. immer noch ist. Die meisten ehemals zerstörten Stücke
der Sammlung sind inzwischen restauriert, oder befinden sich auf dem Wege
der Besserung. Andere Stücke sind an spezialisierte Restauratoren
übergeben worden um dort eine optimale Behandlung zu gewährleisten.
Durch unsachgemäße Lagerung stark in Mitleidenschaft gezogen
wurden vor allem auch die Textilien, die jedoch inzwischen in eigenen Schränken
zwischen Steinkleeduft auf gepolsterten Bügeln aufbewahrt wurden.
Die Flachgewebe sind zwischen säurefreiem Papier sorgfältig aufgerollt
und in einem eigens angefertigten Schubschrank deponiert. Auch die schweren
Schußwaffen sind in eigens dafür präparierten Schränken
optimal untergebracht. Vorbildlich ist die Unterbringung der Kleinobjekte
(Keramik, Metallteller, Scherben, Schmuck, etc.) in modernen Schubsytemen,
die sorgfältigst zwischen säurefreiem Schaumstoff eingebettet
sind. Die größeren Objekte lagern entweder offen in den Regalen,
oder aber staubfrei verschlossen in flachen Pappkartons zwischen Seidenpapier.
Die Sammlung Oppenheim kann heute Dank der intensiven Unterstützung
der Restaurierung und der Sal. Oppenheim Stiftung als eine der best magaziniertesten
Sammlungen des Rautenstrauch-Joest-Museums gelten.
Da das Schicksal der Sammlung Oppenheim durch
Kriegsschäden entschieden mitbestimmt wurde, bietet es sich fast zwingend
an, exemplarisch die prägnantesten Beispiele der Kriegszerstörung
aus der Sammlung Oppenheim zu Dokumentationszwecken in diesem halbzerstörten
Zustand zu erhalten. Besonders erwähnenswert sind diesbezüglich
einige der alten mamlukischen, bzw. iranischen Leuchter, oder besonders
augenfällige Keramikschäden.
Das Problem der Numerierung
Die Vorbedingungen zur Bearbeitung der Sammlung
erschienen anfangs um ein vielfaches leichter als sich nach einer zweieinhalbjährigen
Beschäftigung mit dieser herausstellen sollte.
Die Sammlung war bereits zum Großteil vom
bisherigen Standort im Orientalischen Seminar der Universität zu Köln
ins Rautenstrauch-Joest-Museum überführt und grob nach Materialgruppen
geordnet in vorhandene Regale eingeräumt worden. Neben der Sammlung
existierte ein getippter numerischer Katalog über die Bestände
der Max Freiherr von Oppenheim Stiftung, der allerdings außer der
Inventarnummer und teils relativ ungenauen Maßangaben der Objekte
kaum Informationen über die Stücke hergab.
Nach anfänglicher Neusortierung der Sammlung
unter wissenschaftlichen Kriterien stellten sich jedoch bald recht hartnäckige
Schwierigkeiten ein. Als ein größeres Problem erwies sich, daß
etwa 180 Objekte ohne Nummern versehen waren, da die provisorischen Aufkleber
(mit denen die Objektnummern auf den Stücken befestigt waren) nach
dem Umzug und in Folge einer Austrocknung des Etikettenklebers abgefallen
waren. Zudem stellte sich während der Bearbeitung heraus, daß
die Sammlung Oppenheim nach sechs (!) unterschiedlichen Systemen numeriert
war. So tauchten denn nicht weniger als 350 Doppelnumerierungen auf, die
natürlich in einer neu aufzubauenden Datenbank nicht so ohne weiteres
sinnvoll eingebunden werden konnten.
Obwohl längerfristig eine Neunumerierung
der Sammlung Oppenheim anzustreben ist, hielten mich jedoch folgende Gründe
von einer vollständigen Nummernänderung der Sammlung zum jetzigen
Zeitpunkt ab:
1. Eine Anzahl von Objekten, die ebenfalls zur
Sammlung Oppenheim zählen, befindet sich z.Zt. noch im Orientalischen
Seminar bzw. im Archäologischen Institut der Universität zu Köln.
Für die Objekte, die sich noch im Orientalischen Seminar befinden
kann angenommen werden, daß diese in näherer Zukunft ebenfalls
an das RJM übergeben werden. Auch diese Objekte sind vorläufig
noch in der alten Numerierung erfaßt.
2. Viele Objekte der Sammlung Oppenheim wurden
bereits zu einem früheren Zeitpunkt publiziert oder spielten und spielen
im Schrift- und Ausleihverkehr eine Rolle. Auch hier wird auf die alten
Objektnummern Bezug genommen.
3. Die alte Numerierung ist wahrscheinlich auf
Grund irgendwelcher mehr oder weniger logischen Überlegungen angelegt
worden. Da alle vorgefundenen unnumerierten Stücke ja irgendwann einmal
mit einer Nummer versehen waren, erwies es sich oftmals lohnenswert, diese
dem alten Katalog zuzuordnen.
4. Alle Textilien und sonstigen Objekte waren
bereits erst kurz zuvor mühsam von den Restauratoren beschriftet worden.
Ein nochmaliger Arbeitsaufwand dieser Größenordnung ist momentan
weder möglich noch zumutbar.
5. Durch die Art der ursprünglichen Nummer
kann auf Zusammenhänge hingewiesen werden, die weiterführenden
und erklärbare Bedeutungszusammen- hänge aufzeigen. So lassen
sich nicht nur die ursprüngliche Numerierung mit der Sammlungstätigkeit
des Barons Max von Oppenheim in Beziehung bringen, sondern auch Verlust
und Nachkriegsschicksal der Objekte (Rückführung & Rückschenkung)
können so abgelesen werden.
5) Obwohl keine einheitliche lückenlose Numerierung
vorhanden ist, können doch jederzeit alle Objekte anhand der aufgetragenen
und in der Datenbank aufgeführten Inventarnummern klar zugeordnet
und aufgefunden werden.
6) Die Numerierung weicht als Dauerleihgabe der
Max-Freiherr-von-Oppenheim- Stiftung sowieso von dem hausinternen Numerierungssystem
des RJMs ab. Eine Neuvergabe von Inventarnummern ist auch deshalb zum jetzigen
Zeitraum nicht erforderlich, da sie nicht in den Konvolutbüchern des
Museumsbestandes erscheint. Lediglich der Vorsatz:"S.O."
sollte zur klaren Identifizierung bei allen Arbeiten mit Objekten und Objektnummern
der Sammlung Oppenheim vorgesetzt werden.
Aufgrund der vorhandenen Situation erschien es
also sinnvoll, die alte Numerierung so weit wie möglich zu klären
und alle Objekte erst einmal zuzuordnen. Dabei mußten allerdings
in der Gestaltung der Datenbank Kompromisse eingegangen werden. Durch die
notwendigen Ergänzungen bestimmter Objektnummern (z.B. 007
= 00-Nummern; T 4711 = Textil; S 1111 = Schmuck und N
57 = neue Nummer) ließ sich das Datenfeld nicht mehr rein numerisch,
sondern nur noch im alphanumerischen Modus sortieren. Die alte Katalognummer,
die falls in den alten Listen angegeben, ebenfalls in einem eigenen Datenbankfeld
eingetragen wurden, lassen sich hingegen auch in dieser Datenbank ohne
weiteres problemlos numerisch sortieren. Sortiert man nach dieser Numerik,
so hat man fast den Eindruck, als ob dies die Ursprungsordnung der Realiensammlung
war, die wohl durch den Erwerb kleinerer Konvolute durch den Sammler Max
von Oppenheim in den verschiedenen Ländern und Regionen geprägt
war.
Der Schlüssel zur Numerierung der Sammlung
Oppenheim im Einzelnen
Inv_nr:
Inventarnummern des alten Oppheimkatalogs. Diese
Nummern folgen auch der Hauptnumerierung der RJM- S.O. Katalogisierung
(Datenbank). Ursprünglich sollte damit wohl eine erste Gruppierung
nach Objekttypen erreicht werden, was jedoch durch die starken Kriegsverluste
und frühere Umnumerierungen heute keinen Sinn mehr ergibt.
Karteialt:
Bei den Nummern in dem Feld Karteialt handelt
es sich um eine alte Numerik, die mit der "Katalog-Nummer" des
alten Oppenheim Katalogs identisch ist.
Nummern mit dem Aufbau (z.B) "1976, 1"..
Der Nummernvorsatz "1976" bezieht sich
in diesem Fall auf die Jahreszahl eines Neuzugangs bzw einer Schenkung
zur Sammlung Oppenheim. So steht z.B. "1976, 1" für das
zuerst aufgeführte Objekt eines Neuzugangs aus dem Jahre 1976. "1976,
2" wäre dann das zweite Objekt aus dem Jahr 1976 usw.
Nummern mit dem Vorsatz:"0.."
Diese Nummern wurden später im Orientalischen
Seminar für alle diejenigen Stücke neu vergeben, die nicht mehr
dem alten Katalog zuzuordnen waren.
Nummern mit dem Vorsatz (z.B.) "KFC"
Diese Nummern wurden im Orientalischen Seminar
für die Scherbenbruchstücke der S.O. vergeben.
Nummern mit dem Vorsatz: "S"
Schmuck-Nummern (wie im alten Opp.-Katalog). Wenngleich
im alten Opp. Katalog ohne den Vorsatz, aber in einem extra Register aufgeführt,
wird hier in der Datenbank der Vorsatz "S" wegen sonstiger vielfacher
Doppelnumerierung angefügt.
Nummern mit dem Vorsatz "N"
Diese Nummern beziehen sich auf Objekte, die wegen
fehlender Nummernbeschriftung im Rautenstrauch-Joest-Museum nicht mehr
dem alten Katalog zugeordnet werden konnten und deshalb neu vergeben wurden.
Nummern mit dem Vorsatz: "T"
Nummern mit diesem Vorsatz beziehen sich auf alle Objekte, die der Rubrik Textilien zuzuordnen sind. In Einzelfällen ist hier eine Überschneidung zum Schmuck, oder zu den Kopfbedeckungen möglich.
Seit Ende der achtziger Jahre wird auch im Rautenstrauch-Joest-Museum
verstärkt mit der Nutzung von PC gesteuerten Datenbanksystemen experimentiert.
Während Anfangs die auf MS-Dos basiernde Software "dBase"
für die Aufnahme objektbezogener Daten genutzt wurde, bot sich Mitte
der neunziger Jahre die Möglichkeit, mit Hilfe der graphisch arbeitenden
Datenbank "Access" zu arbeiten. Dieses auf der "Windows"
- Oberfläche basierende System ermöglicht neben der klassischen
Dateneingabe in Form von Text auch die Funktion des sog. "OLE = object
link embedding". Hierbei können digitalisierte Graphiken oder
Photos (auch in Farbe) mit der Datenbank kombiniert bzw. in diese eingebettet
werden, wobei sich die Qualität der Abbildungen noch um ein vielfaches
der hier vorgeführten Beispiele im Katalog steigern läßt.
Somit wären mit den vorhandenen Mitteln auch für zukünftige
Bearbeitungen Qualitätsnormen vorstellbar, die sich im Falle einer
Vervielfältigung oder Publikation quasi direkt als hochwertige Druckvorlage
gestalten lassen und so beträchtliche Kosten einsparen können.
Zur Einbindung eingescannter Objektphotos
in die Datenbank:
Erstmalig in der Geschichte des Rautenstrauch-Joest-Museums
wurde nun die Technik der Datenerfassung mit Hilfe der EDV um die Einbindung
von digitalisierten Aufnahmen der Objete in die Datenbank erweitert. Im
Gegensatz zu der bisherigen Methode des einfachen Objektphotos in doppelter
Ausführung, welches auf die Karteikarten aufgeklebt wurde, bieten
sich bei dem digitalen System folgende Vorteile:
1. Zu jedem wichtigen Datensatz in der Datenbank ist ein digitalisiertes Objektphoto (in zumeist 8-bit Farbauflösung) vorhanden, das mit dem Aufruf des jeweiligen Datensatzes angezeigt wird. Wenngleich die Photos in der Oppenheim- Datenbank auch aus Gründen der Speichergröße lediglich in einer einfachen Bildschirmauflösung angelegt wurden, kann man doch auf allen heute üblichen Standardbildschirmen eindeutig die jeweilige Objektabbildung erkennen.
2. Die entscheidenden Vorteile der digitalisierten
Datenbank liegen bekanntermaßen in den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten
der Recherche und Sortierung. Auf Knopfdruck ist es nun möglich, z.B.
allen Schmuck oder alle Rauchgeräte der Sammlung Oppenheim etwa inklusive
der Einbindung der zumeist farbigen Photos nach Objekten und den Herkunftsländern
sortiert, anzuzeigen. Ebenso können die so kombinierten Datensätze
wie im anschließenden Katalog vorgeführt, in mehr oder minder
guter Qualität ausgedruckt werden.
3. Ein weiterer Vorteil der jeweils als "*.bmp" eingebundenen Objektphotos liegt in der unbegrenzten und kostengünstigen Möglichkeit der Vervielfältigung durch einfaches Kopieren der Dateien auf andere Speichermedien (Disketten etwa) ohne Qualitätsverlust.
4. Diese Möglichkeit der OLE-Funktionen in
der Datenbank bietet auch für die zukünftige Datenbearbeitung
alle Voraussetzung für die Vernetzungsmöglichkeiten von Computern
untereinander; entweder aller Mitarbeiter innerhalb des Museums, oder aber
sogar wie ohne weiteres technisch machbar, als "server" - Angebot
im Internet. So könnten interessierte Wissenschaftler aus anderen
Museen in Zukunft auf Anfrage ohne große technische Änderungen
der hier bestehenden Datenbankform die betreffenden Objektinformationen
inklusive der Bilder kostengünstig und schnell zur eigenen Ausstellungs-
und Ausleihrecherche etwa laden.
5. Last, but not least sollte die sich anbietende
kostengünstige Möglichkeit einer Konservierung der mit gescannten
Objektphotos eingebundenen Datenbank auf CD- Rom nicht unerwähnt bleiben.
Individuell beschriebene CDs lassen sich heute problemlos und äußerst
günstig herstellen und und in allen gegenwärtigen Rechnern, die
über ein CD-Rom Laufwerk verfügen, abspielen.
Ein Nachteil der digitalisierten Objektphotos
in der hier vorliegenden Oppenheim-Datenbank sollte jedoch nicht unerwähnt
bleiben: Da viele Objektphotos nur in mangelhafter Vorlage oder zu klein
aufgenommen vorlagen, variiert die Qualität der eingescannten Aufnahmen
teilweise beträchtlich. Während teilweise erstaunlich gute Reproduktionsergebnisse
in Bildschirmdarstellung und Ausdruck erreicht werden, weicht doch hier
und da das Reproduktionsergebnis von einer befriedigenden Darstellungsform
ab. Allerdings könnten problemlos alle Bilder in schlechter Qualität
neu gescannt und jederzeit später wieder ohne größeren
Aufwand innerhalb der Datenbank ausgetauscht werden.
Anmerkungen